Jedes Jahr ertrinken allein in der Schweiz rund 52 Menschen, davon etwa fünf Kinder im Alter von 0 bis 9 Jahren. Zudem erleiden rund 25 Kinder nach einem Ertrinkungsunfall schwere, bleibende Hirnschäden. Ertrinken ist der zweithäufigste Unfalltod bei Kindern unter 5 Jahren!
Leider werden in Medien oft falsche Darstellungen und Missverständnisse durch aufmerksamkeitsheischende Berichte ergänzt. Das möchte ich klarstellen.
Wusstest Du, dass
es vorkommt, dass ein Erwachsener ein ertrinkendes Kind sehen kann und den Ernst der Lage nicht erkennt?
ein Kind im Wasser auf den Grund sinkt und in 20 Sekunden ertrinken kann?
ein Kind spätestens nach 2 Minuten das Bewusstsein verliert und dass nach etwa drei Minuten aufgrund von Sauerstoffmangel Hirnschäden auftreten?
die meisten ertrinkenden Kinder „nur kurz“ aus den Augen der Betreuungsperson gelassen wurden?
90 % der Unfälle mit ertrinkenden Kindern sich innerhalb von 10 Metern um die Aufsichtsperson ereignen, aber wenn die Kinder vorübergehend unbeaufsichtigt sind?
die meisten tödlichen Badeunfälle in privaten Schwimmbädern und Biotopen passieren?
Säuglinge und Kleinkinder unter 3 Jahren am ehesten in der heimischen Badewanne ertrinken?
Kinder unter 5 Jahren am meisten gefährdet sind?
Autistische Kinder ein erhöhtes Risiko haben zu ertrinken, weil sie gerne „umherwandern“?
Jugendliche ertrinken, weil sie ihre eigenen Grenzen überschätzen und die Gefahren und Risiken unterschätzen?
Ertrinkungsunfälle von Jugendlichen häufig mit Drogen und Alkohol und in natürlichen Gewässern in Verbindung gebracht werden?
Teiche, Flüsse und Bäche die gefährlichsten Orte sind? Die Hälfte aller Kinder, die dort einen Ertrinkungsunfall haben, überlebt das Ertrinken dort nicht.
Aber das Wichtigste ist:
ERTRINKEN BEI KLEINKINDERN IST LAUTLOS!
Kein hektisches Auftauchen, kein Schnappen nach Luft, kein Hilfeschrei, kein wildes Rudern und Plantschen mit den Armen.
Lass deshalb Dein Kind NIEMALS unbeaufsichtigt im oder am Wasser! Ertrinken bei Kleinkindern kann und muss verhindert werden!
In den populären Medien wird die Prävention leider selten in den Vordergrund gestellt, sondern es wird fast ausschliesslich auf zwei besondere Notfälle hingewiesen (obwohl beide sehr selten sind und nur 1 bis 2 % aller Ertrinkungsunfälle ausmachen). Ich rede von
- sekundärem Ertrinken und
- trockenem Ertrinken
Beim sekundären Ertrinken reagiert die Lunge verzögert. Flüssigkeiten, die in die Lunge gelangen, verursachen dort Entzündungsreaktionen und Ödeme. Die Person erstickt aufgrund von Sauerstoffmangel.
Um es ganz deutlich zu sagen: Sekundäres Ertrinken passiert nicht bei einem Kind, das nach einem Sturz ins Wasser völlig gesund ist. Das passiert bei Kindern, die ertrunken sind und schwere Anzeichen hatten und wiederbelebt werden mussten. Und JEDES Ertrinkungsopfer, das gerettet wird, braucht professionelle medizinische Hilfe.
Anzeichen für „sekundäres Ertrinken“, die einen schnellen Arztbesuch erforderlich machen, sind: Ein Kind (oder ein Erwachsener) fängt nach Stunden oder Tagen wieder an zu husten, klagt über Schmerzen in der Brust, erbricht, hat Schwierigkeiten beim Atmen oder wirkt apathisch.
Trockenes Ertrinken ist eine Schockreaktion des Körpers. Aufgrund ihres überproportional großen Kopfes verlieren Kinder leicht den Halt. Wenn der Kopf ins Wasser fällt, verschliesst sich die Stimmritze im Rachen und macht das Atmen unmöglich. Der Verschluss ist wie ein Krampf, der von alleine nicht mehr weggeht. Das Kind kann ersticken – selbst in der kleinsten Pfütze!
Checkliste Präventionstips
- Lass Dein Kleinkind NIEMALS unbeaufsichtigt – weder in der Badewanne, im Planschbecken noch in einem anderen Gewässer.
- Wenn Du Dein Kind allein lassen musst, stell sicher, dass ein anderer Erwachsener für Dein Kind verantwortlich ist und dass diese Person ihre Verantwortung versteht. Das Gleiche gilt, wenn Du Dich in einer Gruppe unterwegs bist: Eine Person muss die Verantwortung tragen und die Kinder STÄNDIG beaufsichtigen!
- Der Bademeister im Schwimmbad ist nicht für Dein Kind verantwortlich. Das ist Deine Aufgabe!
Also … Leg Dein Mobiltelefon weg! Die Ablenkung durch das Handy ist schlicht und ergreifend gefährlich, wenn kleine Kinder im Wasser sind. - Schwimmhilfen sind KEIN Ersatz für die Aufsicht, sie sind keine Garantie gegen Ertrinken.
- Melde DeinKind so früh wie möglich zur Wassergewöhnung und zum Schwimmunterricht an. So lernt es die Gefahren des Wassers kennen und versteht, wie es sich im Umgang mit dem Wasser verhalten soll. Und es lernt, dass es sich mit Bewegung über Wasser halten kann.
Schwimmunterricht für Eltern und Kinder ist sicher. Ich persönlich bin kein Fan davon Kinder unter Wasser zu tauchen, wozu manche Schwimmlehrer die Eltern ermutigen oder sogar auffordern. Bei meinen eigenen Kindern habe ich das nie gemacht, und ich glaube, dass es bei vielen Babys unvernünftig ist. - Deck Dein Schwimm- und Planschbecken immer ab und/oder zäune es ein, wenn es nicht in Gebrauch ist. Das Gleiche gilt für einen Gartenteich.
- Wenn Kinder in der Nähe von offenem Wasser spielen, sollten sie immer eine Schwimmweste tragen.
- Bring Deinem Teenager bei, niemals in unbekanntes Wasser zu springen. Und er darf auch seine Freunde nicht dazu ermutigen, dies zu tun. Kläre Deinen Teenager über das Risiko des Ertrinkens UND über das Risiko von Wirbelsäulenverletzungen auf. Zeig ihm die Website der Schweizer Paraplegiker Stiftung, damit er den Link sehen kann.
Auch wenn es wichtig ist, Kinder früh an das Wasser zu gewöhnen, lernen die meisten Kinder erst im Alter von etwa fünf Jahren richtig schwimmen.
Auch wenn Dein Kind bereits schwimmen kann, bleibe wachsam. Vor allem in kaltem Wasser, bei Wellengang oder starker Strömung kommen Kinder schnell an ihre Grenzen. Erst ab einem Alter von etwa 10 Jahren und mit viel Übung ist ein Kind relativ sicher im Schwimmen und kann Gefahren einschätzen.

